Schüttgutfrachter | gesunken 1993

Wrack der Hamada bei Abu Ghusun

Wracktauchen übt auf viele Taucher eine besondere Faszination aus. Doch gerade für Anfänger sind Wracks häufig wegen der Tiefe, wegen Freiwasserabstiegen oder Strömungen keine geeigneten Tauchplätze. Mit dem Wrack der Hamada bei Abu Ghusun gibt es jedoch einen attraktiven Tauchplatz in der Nähe des, bei Tauchern sehr beliebten, Ortes Marsa Alam, der auch für weniger erfahrene Taucher gut zu besuchen ist.

Die Hamada war ein kleiner Schüttgutfrachter der unter nie ganz geklärten Umständen 1993 im Roten Meer, in unmittelbarer Küstennähe, gesunken ist. Von der damaligen Ladung – Kunststoffgranulat – kann man heute noch große Mengen am Strand in der Umgebung des Wracks finden. Für Sporttaucher ist die Hamada mittlerweile ein beliebtes Ziel geworden, da sie in lediglich 18 Metern maximaler Tiefe auf dem Meeresgrund liegt und das Wrack leicht vom Ufer aus erreicht werden kann.

gesunken 1993

Der mysteriöse Untergang der Hamada


Warum liegt die Hamada nur wenige Meter vom Strand entfernt im flachen Wasser?

Das Unglück

„Das war’s!“ Der Rumpf schlägt heftig auf und dieses mal ist es nicht bloß ein Wellenkamm sondern fester Grund. Bestimmt ein Riffblock. Sind sie dem Ufer wirklich so nahe gekommen? Alle auf der Brücke werden durch den Aufprall von den Beinen geholt, obwohl sie sich schon seit einer gefühlten Ewigkeit im auf und ab der Wellen mit aller Kraft an ihren Posten festklammern. Dem Kapitän ist sofort klar, dass das Schiff diese Havarie nicht überstehen wird. Er kämpft sich wieder zurück auf die Beine und sofort schlägt ihm das Meerwasser durch das geborstene Fenster der Brücke entgegen. Verschwommen sieht er im Dunkel der Nacht ein Licht zwischen den Wellenkämmen. Das muss das Pier von Abu Ghosoun sein! – So könnte sich die Geschichte vom Wrack der Hamada bei Abu Ghusun zugetragen haben. Vielleicht war es aber auch ganz anders.

War es wirklich so?

Da ich nun schon mehrere Briefings zur Hamada gehört habe, gebe ich nur wieder, was den Geschichten gemeinsam ist: Die 1965 gebaute Hamada war, mit Plastikgranulat beladen und unter Maltesischer Flagge, von Dschidda nach Suez unterwegs, als sie auf der Höhe von Abu Ghusun in schwere See geriet. Der Kapitän (je nach Erzählung, der betrunkene Kapitän) habe das Schiff zu nah an der Küste entlang geführt und so sei die Hamada auf einen Korallenblock aufgelaufen und Leck geschlagen. Da das Schiff nun zu sinken drohte, habe der Kapitän versucht, den Frachter auf das Ufer zu setzen wobei es jedoch zu einer Explosion kam, welche den Rumpf in zwei Teile trennte.

Ich habe eine Weile gegoogelt um herauszufinden, ob die Geschichten der Guides zum Untergang der Hamada belegt sind. Allerdings konnte ich bei meiner Internetrecherche keine offizielle Version des Unglücks finden und viele Seiten sprechen davon, dass die Umstände der Havarie ungeklärt seien. Gesichert scheint noch nicht einmal das Datum des Untergangs. Manche Berichte sprechen vom 29. Juni andere vom 5. August 1993. Fakt ist, dass das Schiff heute direkt am Fuß des Riffes auf dem Sandgrund liegt. In zwei Hälften zerbrochen. Der hintere Teil mit den Aufbauten steht noch halbwegs aufrecht auf dem Kiel, während der Vorderteil, umgedreht im Sand liegt.

Daten zum Schiff


Flagge: Malta
Stapellauf: 15. März 1965
Vorherige Schiffsnamen: Samarah, Afroditi H, Avocet
Werft: John Lewis & Sons Ltd, Aberdeen

Länge: 65m
Breite: 11m
Tiefgang: max. 4m

Maschine: 1 Diesel (1.490 PS)
Maximalgeschwindigkeit: 12,5 kn (23 km/h)
Verdrängung: 654 BRT

Quellen/Links zur Hamada


Wikipedia-Artikel
Daten zur Hamada auf Aberdeen Ships
Blogbeitrag von Ahmed Fouad
Hamada auf Red Sea Wreck Project

Entspannter Sporttauchgang

Der Tauchgang


Heute ist das Wrack der Hamada bei Abu Ghusun ein beliebter Tauchplatz für Sporttaucher.

Anfahrt

Das Hotel in Marsa Alam, in dem ich mit meinen Freunden Urlaub mache, bietet die Tour zum Wrack der Hamada bei Abu Ghusun einmal in der Woche als Tagesausflug an. Ich bin mir sicher, dass dieser Trip bei den meisten Tauchbasen der Gegend im Angebot ist. Von Marsa Alam aus sind es gute 80 Kilometer auf der Küstenstraße 65 nach Süden, was etwa eineinhalb bis zwei Stunden Fahrtzeit bedeutet.

Wir haben den Tauchplatz am späten Vormittag mit zwei Minibussen erreicht. Unser Equipment ist bereits zuvor mit Pickups an den Tauchplatz gebracht worden. Allerdings geht es nicht sofort ins Wasser sondern erst einmal zu den Beduinen, die direkt neben dem Tauchplatz in einer kleinen Ansiedlung leben. Die Familie hat sich auf die tauchenden Touristen eingestellt und bietet neben einem schattigen Plätzchen auch Getränke und Essen an. Ein guter Ort für das Tauchgangsbriefing, denn wie an den meisten Tauchplätzen hier, ist Schatten rar.



Blick aus dem Gastraum der Beduinen von Abu Ghusun

Einstieg vom Ufer

Nach dem Briefing geht es an den Tauchplatz, wo die Helfer aus unserem Resort die Boxen mit dem Equipment und unsere Tauchflaschen auf Teppichen ausgebreitet haben. Wir beeilen uns mit dem Zusammenbau des Equipments und dem Anziehen, da es in der prallen Sonne zum einen nicht besonders angenehm ist und wir ausserdem die Chance haben, an diesem Tag das erste Buddyteam am Wrack zu sein.

Über einen recht gut erkennbaren Pfad laufen wir über das Riffdach in tieferes Wasser bis wir abtauchen können und folgen dann zunächst einer Seegraßwiese bis in etwa 5 Meter Tiefe.

Das Wrack der Hamada finden

Um zum Wrack zu gelangen, kann man entweder dem Riff folgen (rechte Schulter) und stößt dann automatisch von der Heckseite auf das Wrack oder man taucht zunächst nach Osten in die Bucht hinaus, bis man auf einen großen Korallenblock trifft und von dort aus dann in Richtung Süd-Osten, bis man das Wrack von der Backbordseite her erreicht.

Wir bleiben zunächst auf etwa 5 Metern Tiefe und tauchen das Wrack in der zweiten beschriebenen Variante an. Wir sind tatsächlich die ersten an diesem Tag und das Wasser ist noch wunderbar klar. Als sich die Konturen des hinteren Wrackteils mit Aufbau und Mast, vor uns aus dem Blau des Meeres schälen, lassen wir uns absinken und beginnen mit einer ersten Runde am Heckteil.

Heckbereich

Das Heck ist sicherlich der interessanteste Teil des Tauchplatzes, da man hier noch sehr viele Details entdecken kann. Die Brücke ist noch gut zu erkennen, sowie Rettungsbojen, Winden, Treppen, ein Kran mit offenem Führerstand und so weiter.



Wrack der Hamada

Im Vergleich zu meinen Tauchgängen in den Jahren 2012, ’13 und ’14 fällt mir auf, dass einige Bereiche der Aufbauten und Masten zusammengestürzt sind oder dabei sind sich allmählich zusammenzufalten. Dies ist natürlich ein normaler Zerfallsprozess, der aber sicherlich durch das intensive Betauchen des Wracks noch beschleunigt wird. Insbesondere die Heckplattform, unter welcher wir 2014 noch von den Guides hindurchgeführt wurden, konnte wohl von den stark korrodierten Streben nicht mehr getragen werden und ist auf das darunter liegende Deck gestürzt. Hier hat die Ausatemluft der Taucher vermutlich einen guten Teil zur Korrosion beigetragen.



Das abgetrennte Heck neigt sich schätzungsweise 30 Grad zur Steuerbordseite, wo nicht nur Teile des Mastes und der Aufbauten hingestürzt sind, sondern auch ein Gabelstapler, welcher mir erst nach mehreren Tauchgängen hier, das erste mal aufgefallen ist.



Wrack der Hamada

Am vorderen Ende des Heckteils, dort wo das Schiff auseinandergebrochen ist, können wir einen Blick in das freigelegte Innere werfen. An dieser Stelle befindet sich auch das berühmte Telefon, mit welchem sich die Taucher so gerne fotografieren lassen. Maschinenteile, Kabel und Rohre bilden hier eine Art Schiffswracksalat und lassen erahnen, welche Kräfte gewirkt haben müssen um die Hamada derart zu zerstören. Durch ein größeres Loch kann man auch noch einen Blick in einen Aufenthaltsraum werfen, wo sogar noch ein Tisch und ein Waschbecken zu sehen sind.



Wrack der Hamada

Bugteil

Wir tauchen weiter, über ein Trümmerfeld aus Stahlplatten, zum Vorderteil des ehemals 65 Meter langen Schiffes. Hier kann man am Kiel des Wracks entlang tauchen und den Bewuchs aus Weichkorallen betrachten, der sich auf dieser großen Fläche angesiedelt hat. Wer sich für Makrolebewesen interessiert, wird hier auch diverse Nacktschnecken und Garnelen entdecken. Wir sind jedoch wegen des Wracks selbst hier und ich habe das Weitwinkel montiert, weshalb ich noch nie Makroaufnahmen von der Hamada mitgebracht habe.



Wrack der Hamada

Ende des Tauchgangs

Da die maximale Tiefe des Tauchplatzes bei ca. 17m liegt, ist es auch für Anfänger nicht allzu schwer, eine volle Stunde zu tauchen. Wir haben das komplette Wrack nach 60 Minuten ausgiebig umrundet und machen uns wieder auf den Rückweg zur Ausstiegsstelle. Diesmal tauchen wir gemütlich am Riff entlang und steigen nach 75 Minuten, mit erreichen der maximalen Tauchzeit (Vorgabe unseres Tauchcenters), aus dem Wasser. Jetzt wartet das Mittagessen bei den Beduinen auf uns, und dann geht es auf einen zweiten entspannten Wracktauchgang.

Tauchplatzkarte


Anhand von öffentlich zugänglichen Satellitenfotos und der Tauchplatzkarten die mir gezeigt wurden, habe ich eine eigene Karte des Tauchplatzes erstellt. Ihr könnt sie hier auch gerne herunterladen.

Eckdaten Tauchgang


Maximaltiefe: 18m
Durchschnittstiefe: ca. 8,5m
Tauchgangsdauer: durch Anbieter begrenzt auf 75 Minuten
Schwierigkeitsgrad: Einfach
Strömung: keine

Die Hamada – Eine Galerie aus den Jahren 2012, '13, '14 und '18

zur Galerie






Comment


Bei den Beduinen am Plastikstrand – Das Wrack der Hamada – Blautiefe
15. September 2019 at 9:04
Reply

[…] Mehr über die Hamada lesen Wenn ihr mehr über die Hamada erfahren wollt, dann lest doch meinen Artikel.Hamada Galerie öffnen  Und falls ihr lieber nur Bilder anschauen wollt, habe ich auch eine Galerie mit Fotos der Hamada von meinen Besuchen in den Jahren 2012, ’13, ’14 und ’18 für Euch zusammengestellt. […]



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