Haie und Mantas der Azoren

Vor zehn Jahren war ich schon einmal hier – auf den Azoren. Damals primär zum Wandern und Sightseeing. Nur einen Tauchgang hatte ich vor der Küste von Sao Miguel gemacht. Erst während diesem Aufenthalt damals erfuhr ich, dass man hier auch ganz hervorragend die Haie und Mantas der Azoren erleben kann. Seitdem wollte ich gerne noch einmal hierher zurückkehren, um diese Tauchgänge zu machen. In diesem Jahr war es dann soweit.

Norberto Diver, Horta

Von einem Freund, der schon öfter auf den Azoren zum Tauchen war, hatte ich den Tipp bekommen, bei Norberto-Diver anzufragen. Die Tauchbasis sitzt direkt im Hafen von Horta auf der Insel Faial. Alle Tauchgänge finden vom Boot aus statt. Die Basis verfügt über einen Katamaran und sechs „Ribs“ (Rigid Inflatable Boat), von denen jeweils drei für Touren zur Wahlbeobachtung und drei für das Tauchen genutzt werden.

Ich komme mit meiner Frau an einem Sonntag auf Faial an und melde mich direkt an der Tauchbasis. Am kommenden Morgen soll ich, wie üblich, an einem Check-Dive teilnehmen. Für diesen fährt der Skipper mit einem der Ribs nur ein kurzes Stück hinter die Hafenmauer. Hier sind im relativ trüben Wasser Felsen, Seegras und ein paar Fische zu sehen – naja, es ist der Checkdive.

großer Anker – die Attraktion beim Check-Dive
großer Anker – die Attraktion beim Check-Dive

Da der Haitauchgang an diesem Nachmittag schon ausgebucht ist, melde ich mich auch noch für den zweiten Küstentauchgang an. Dieses mal geht es etwas weiter weg vom Hafen, in eine kleine Bucht. Die Sichtweite ist wiederum eher bescheiden, vielleicht 10 m. Mehr zu sehen als auf dem Check-dive gibt es auch hier nicht. Ich fühle mich nun ausreichend gecheckt und bin bereit für einen der Haitauchgänge, für die ich hergekommen bin.

Haitauchen auf Azoreanisch

Am nächsten morgen bin ich um 9 Uhr an der Basis, um mir das Briefing für die Haitauchgänge anzuhören. Under Guide Esteves ist Divemaster und Meeresbiologe. Er arbeitet laut eigenen Angaben mit der Universität von Lissabon an Programmen zur Markierung von Haien.

Nach dem Briefing verladen wir die Ausrüstung auf das Rib und auch das Fass mit dem „Chum“ muss an Bord. Einer Ködersuppe aus Fischöl, -blut und kleinen Stückchen, die die Haie anlocken, aber nicht füttern soll.

Dieses Mal geht es etwa 45 Minuten auf die Straße zwischen den Inseln Faial und Pico hinaus. Wir steuern eine Stelle an, an welcher die Landschaft sich Unterwasser aus größerer Tiefe erhebt. Die Hoffnung ist, dass die Haie hier von ihren Streifzügen aus der Tiefe auftauchen. Da die Blauhaie ihre Körpertemperatur nur unzureichend regulieren können, kommen sie zweimal täglich in flacheres Wasser um sich aufzuwärmen. Diesen Moment wollen unsere Guides ausnutzen, um die Haie mit der Ködersuppe anzulocken.

Das Boot treibt nun im Zielgebiet an der Oberfläche und unser Skipper beginnt regelmäßig Chum ins Meer zu kippen. Ausserdem haben wir einen durchlöcherten Kanister an einem Seil ins Wasser gelassen, der ebenfalls randvoll mit Fischabfällen gefüllt ist. Nun heißt es warten.

Wer aufgrund einschlägiger Filme glaubt, dass es bei dem ersten Tropfen Blut im Wasser bald vor Haien wimmelt, irrt sich. Unser Guide erzählt uns, dass wir uns auf eine Wartezeit zwischen 10 Minuten und mehreren Stunden einstellen können. Tatsächlich dauert es fast zwei Stunden, bis sich der erste Blauhai kurz unter dem Boot zeigt und sofort wieder verschwindet. Eine weitere Stunde später taucht wieder ein einzelnes Tier auf, dass sich dieses mal etwas länger aufhält.

Wir sehen unsere Chance gekommen und begeben uns ins Wasser. Dabei versuchen wir so wenig zu Spritzen und zu Platschen wie möglich, indem wir uns bäuchlings über die Wulst des Schlauchbootes ins Wasser rutschen lassen. Doch alle Vorsicht nutzt nichts: Sobald wir an den Leinen hängen, die vorn und hinten am Boot befestigt sind, ist der Hai verschwunden. Wir warten eine Stunde unter Wasser währen unser Skipper weiterhin Köder ins Wasser gibt. Kein Hai. Schließlich sind irgendwann unsere Flaschen Leer und der Köder aufgebraucht und wir fahren zurück in den Hafen.

Das waren 185 Euro für eine sehr bescheidene Haisichtung. Doch auch das unterschreibt man direkt vor der Tour – niemand kann dir garantieren, dass die Haie sich zeigen.

Warten auf die Haie
Warten auf die Haie

Princess Alice Bank

Am nächsten Tag steht die berühmte Princess Alice Bank auf dem Programm. Dieser Meeresrücken liegt rund 80 Kilometer von Faial und Pico entfernt mitten im Atlantik. Ziel ist die höchste Erhebung dieses Rückens, eine Ansammlung von Felsnadeln, die hier bis knapp unter die Oberfläche (ca. 40m) aufragen. Heute nehmen wir den Katamaran von Norberto Diver, denn es sind doch einige Gäste zusammengekommen. Taucher und Schnorchler.

Je weiter wir uns dem Ziel nähern um so höher werden die Wellen. Einige Ausfälle in Form von seekranken Gästen sind bald schon zu vermelden. Vor Ort wird zunächst der Anker geworfen. An diesem soll dann gleich der Tauchgang stattfinden. Auf das Signal der Crew hin, mache ich mich fertig und bin als einer der Ersten bereit ins Wasser zu gehen. Beim Einstieg wirft mich allerdings eine Welle von der Plattform und ich lande mit dem Oberschenkel auf der Taucherleiter. Das wird in den kommenden Tagen einen wunderbaren blauen Fleck geben. Glücklicherweise ist nichts schlimmeres passiert und die Ausrüstung ist auch intakt geblieben.

Im Wasser sortieren mein zugewiesener Buddy und ich uns kurz und dann tauchen wir mit Esteves entlang der Leine ab. Die Mantas sind fast sofort zu sehen, wenn auch nicht sonderlich gut. Denn ich sehe vor allem die Blasen meiner beiden Vordermänner. Ein paar wenige Aufnahmen kann ich jedoch machen bevor es plötzlich ganz erheblich am Seil ruckt. Ich schaue nach vorn und kann sehen wie sich unsere Ankerleine vor uns in Schlaufen liegt. Sie ist gerissen.

Schnell merken wir, dass das driftende Boot uns nun an der Leine von den Mantas weg zieht. Natürlich halten wir uns gut fest, da wir nicht irgendwo im Atlantik enden wollen. Ein paar Minuten ang geht alles etwas durcheinander. Nicht jeder Taucher hat sofort verstanden, was passiert ist. Schließlich haben sich aber alle wieder gesammelt und krabbeln einer nach dem anderen an Bord des Katamarans zurück.

Kurz darauf gibt die Crew bekannt, dass sie den Ausflug an dieser Stelle abbrechen. Nun stehen uns rund drei Stunden Rückfahrt bei moderatem Seegang bevor.

Zurück an der Tauchbasis bietet mir Norberto persönlich an, zwei Tage später noch einmal nach Princess Alice zu fahren. Mit nur vier anderen Tauchern und in einem der kleinen Boote. Ich willige ein. Bevor es soweit ist, versuche ich mein Glück am folgenden Tag aber erst noch einmal mit den Blauhaien.

Haitauchen, zweiter Versuch

Das Procedere ist das gleiche wie zwei Tage zuvor. Dieses mal warten wir nur etwas länger als eine Stunde, bevor die ersten Haie auftauchen. Esteves ist zunächst skeptisch, ob sie wohl bleiben, aber diese Exemplare scheinen weniger leicht zu verschrecken zu sein. Es sind zunächst zwei kleinere Weibchen, die unter dem Boot neugierig ihre Kreise ziehen. Als wir ein paar Minuten mit ihnen im Wasser sind, taucht noch ein drittes Weibchen auf. Dank unserer kleinen Gruppe bleibt die Situation jedoch noch immer überschaubar. Erst als ein deutlich größeres Männchen auftaucht, wird es auf einmal etwas hektischer.

Esteves scheint von diesem Tier gestresst zu sein, denn er ist auf einmal beständig damit beschäftigt, es von uns fern zu halten. Mir fällt auch auf, dass der Hai die anderen von unserer Baitbox fernzuhalten versucht und dabei durchaus auch zubeißt. Ich bekomme mit, das Esteves den Tauchern, die sich in der Nähe der Leiter befinden das Zeichen zum Auftauchen gibt und mache mich ebenfalls darauf gefasst bald heraus zu müssen.

Wieder auf dem Boot erklärt uns Esteves, dass sich dieser Hai territorial verhalten hat und für einen Blauhai ungewöhnlich aggressiv war. Da er begonnen hatte, die Weibchen zu attackieren, wollte Esteves lieber nichts riskieren und hat uns daher aus dem Wasser geholt.

Unser Skipper stand in der Zwischenzeit mit einem anderen Boot in Kontakt, an dem sich schon seit über einer Stunde ein größeres Weibchen aufhält. Da dieses Boot ohnehin gerade nach Pico zurückfahren will, versuchen wir unser Glück noch einmal an dieser Position. Tatsächlich taucht sie auch bei uns nach ein paar Minuten auf und inspiziert unsere Baitbox und auch uns Taucher neugierig aber immer mit großer Vorsicht.

So komme ich doch noch zu einem Haitauchgang bei dem ich dem Tier tatsächlich ganz nah bin ohne dass hierbei Stress aufkommt. Als sich unsere Flaschenfüllungen allmählich dem Ende zuneigen, steigen wir zufrieden zurück in das Boot und fahren wieder nach Faial.

Noch mal Princess Alice

Am kommenden Morgen stehe ich schon vor sieben Uhr an der Tauchbasis im Hafen. Ich bin gespannt, wie es dieses mal mit dem Ausflug zur Princess Alice Bank klappen wird. Neben mir sind noch vier weitere Taucher an Bord und wir nehmen eines der kleineren Boote. Der Atlantik ist heute so flach wie ein Spiegel. Auf dem Weg halten wir Ausschau nach Delphinen und Wahlen. Und tatsächlich sehen wir an einer Stelle, wo besonders viele Seevögel über der Oberfläche kreisen, sogenannte false Killerwales – kleine Schwertwale. Auch eine Gruppe gemeiner Delfine ist in einiger Entfernung zu entdecken. So macht allein der Weg zu Princess Alice schon Vorfreude auf die Tauchgänge.

Als wir ankommen ankern bereits drei Boote an dem Unterwasserberg. (Mittlerweile gibt es auch Liveaboards auf den Azoren.) Wir suchen uns ein Plätzchen dazwischen und werfen unseren Anker. Tauchguide Nuno bittet mich, mit ihm gemeinsam den Anker zu checken. So begeben wir uns zunächst in 40 Meter Tiefe, auf den „Gipfel“ des Unterwasserberges. Mir fällt auf, wie klar das Wasser ist, da ich beim Abstieg bereits in wenigen Metern tiefe den Grund sehen kann. Unten finden wir nicht nur unseren Anker, sondern auch große Rochen und „Jacks“ – Stachelmakrelen. Nachdem Nuno den Anker noch einmal neu platziert hat, steigen wir am Seil wieder bis in 15 Meter Tiefe auf und treffen die anderen. Nun heißt es wieder warten.

Nach einiger Zeit zeigen sich immer häufiger Mantas in einiger Entfernung, doch sie interessieren sich nicht für uns und ziehen immer wieder vorbei. Teilweise sind die Gruppen, die wir sehen durchaus von beachtlicher Größe. Aber es scheint fast so als ob sie die anderen Boote interessanter finden, denn während des ganzen Tauchgangs nähert sich kein Tier wirklich unserer Gruppe. Nach einer guten Stunde gehen wir zur Oberflächenpause wieder an Bord des Ribs, tauschen unsere Flaschen und nehmen einen kleinen Snack zu uns. Während unserer Pause lichten zwei der anderen Boote ihre Anker und fahren wieder Richtung Pico und Faial. Wir sind gespannt, ob wir jetzt mehr Glück mit den Mantas haben.

Tatsächlich scheint es so, als ob die Manas dieses Mal nicht so „abgelenkt“ wären. Schon bald nähern sich einzelne Tiere und auch kleinere Gruppen. Ein einzelner Mobula sieht sich unsere kleine Gruppe sogar ganz genau an und versucht etwas von der Luftblasendusche abzubekommen, als er in Armeslänge über den Tauchern manövriert. Ich habe von Nuno die Erlaubnis bekommen mich vom Seil zu lösen und kann daher einige Aufnahmen ohne Blasenvorhang machen. Ich muss dabei aber trotz „milder“ Bedingungen darauf achten, nicht nicht all zu weit vom Boot abgetrieben zu werden. Wenn man von Mantas umkreist wird ist es gar nicht so leicht, sich dabei nicht komplett ablenken zu lassen.

Als wir von unserem zweiten Tauchgang auftauchen, sind wir das einzige verbleibende Boot. Nun sehen wir die Mantas auch von der Oberfläche aus um das Boot kreisen. Wenn sie ihre Flossenspitzen durch die Oberfläche schauen lassen, sieht es fast aus, wie die Rückenflossen von zwei Haien. Jetzt heißt es allerdings leider Abschied nehmen, denn wir haben noch den ganzen Rückweg vor uns. Da die Luft heute sehr klar ist, können wir von Princess Alice die Spitze des Pico in der Ferne erahnen.

Fazit

Auf den Azoren zu Tauchen ist sicherlich eine besondere Erfahrung. Die Bedingungen sind nicht immer ganz einfach und solange sich die Stars der dortigen Unterwasserwelt nicht zeigen, ist das Blauwasser eher eine „reizarme“ Umgebung für Taucher, die sonst vielleicht eher bunte Riffe gewohnt sind.

Für mich hat es sich aber in derem Fall gelohnt und ich würde auch noch ein weiteres Mal herkommen. Allerdings würde ich mir gut überlegen, ob ich einen solchen Tauchtrip noch einmal von Land aus machen würde. Mittlerweile gibt es auf den Azoren auch Angebote für Liveaboards, die vor allem durch einen recht exklusiven Ansatz (nur wenige Taucher an Bord) interessant sind.

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