Ghandi Kinderhilfe

Wir sind in dem kleinen Ort Jemo angekommen, eigentlich ein Ortsteil der Kreisstadt Kandi. Von Kalkutta haben wir die Eisenbahn genommen (etwa viereinhalb Stunden). Dann mussten wir mit einem Taxi noch etwa eine Stunde über Land fahren. Der Grund, weshalb es uns ausgerechnet hierher verschlagen hat, ist das Waisenheim der Ghandi Kinderhilfe, einem Verein aus Bad Camberg. Verena ist seit vielen Jahren Mitglied dieses Vereins und hat seitdem eine Patenschaft für einen Jungen, dessen Familie sich damals entschieden hat, ihn in das Heim zu geben, damit er unter besseren Bedingungen als Zuhause aufwächst.

Der Junge ist mittlerweile ein junger Mann und wohnt wieder bei seiner Familien in einem winzigen Dorf, etwa 20 Kilometer vom Heim entfernt. Am lokalen College studiert er – mit Unterstützung des Vereins – Geografie. Sein Name ist Tonmoy und wir sind hier, um ihn und das Heim, in dem er aufgewachsen ist, zu besuchen.

Der Gebäudekomplex ist recht groß und beinhaltet neben dem Jungen- und Mädchentrakt auch ein Heim für Menschen mit geistigen Behinderungen, eine Pre-School (so etwas wie ein Kindergarten) sowie eine kleine medizinische Beratung mit Medikamentenausgabe für die Dorfbewohner. In einem anderen Gebäude gibt es auch noch eine Berufsschule für Näherinnen und Elektriker sowie Computerschulungen. All dies geht auf die Initiative der Familie Roy zurück, einer einflussreichen Familie aus dieser Gegend. Der größte Teil der Einrichtungen wurde von Herrn Bidhan Roy, dem Vereinsvorsitzenden der Ghandi Kinderhilfe und seiner Frau Gisela angestoßen. Er lebt seit den 1960er Jahren in Deutschland und hat es sich zur Aufgabe gemacht, seine privilegierte Position zu nutzen um, im Sinne seines Vaters und Großvaters in der Heimat zu helfen.

Wir wohnen in einem Gästezimmer nach westlichem Standart direkt im Waisenheim. Unsere Mahlzeiten werden uns in einem separaten Esszimmer von einem der älteren Jungen serviert, dem Herr Roy hier besondere Aufgaben übertragen hat. Für ihn ist dies eine besondere Auszeichnung. Er verdient damit außerdem ein bisschen Taschengeld. Wir fühlen uns anfangs etwas davon überfordert, bedient zu werden und dass jemand während des Essens neben uns steht und wartet. Aber mit der Zeit bricht das Eis und wir können ein paar Worte auf Englisch mit ihm wechseln und haben den Eindruck, dass sich beide Seiten dadurch nicht mehr so unbehaglich fühlen. Außerdem gibt es noch die Köchin, die weniger schüchtern als der junge Mann ist. Unsere Zurückhaltung beim Essen kann sie nicht verstehen. Immerhin ist sie extra gekommen, um für uns zu kochen und fordert uns mit Nachdruck auf, mehr zu essen. Erst dann ist sie zufrieden und lächelt uns weitgehend zahnlos an. „Now I happy!“

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Wir schauen regelmäßig in den Blog und sind fasziniert von den tollen Bildern, die so eindrucksvoll Stimmungen und Erlebnisse einfangen. Großartig finden wir die Idee mit dem Video im Waisenhaus. Die Fotos bekommen auf diese Weise noch eine zusätzliche Lebendigkeit , man hat das Gefühl ganz nah dabei zu sein.


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